Der Lokschildersammler

 

 

Sammeln kann man ja recht viel. Briefmarken, Münzen, Überraschungseier, Autos... aber Lokschilder?

Wie kommt man denn zu diesem Hobby?

Tja, da gibt es wahrscheinlich genauso viele Wege, wie zu anderen Sammelgebieten. Doch was ist anders an diesem Sammlerkreis?

Hier eine kleine Übersicht, was einem beim Sammeln so widerfährt:

 

 

 

Wie wird man Lokschildersammler?

Manch einer kam über die Modellbahn dazu, der eine über die Faszination der großen Bahn, der andere über die Liebe zu Schildern oder ganz einfach von der Liebe zur Eisenbahn.

Lange war es her, da hat der Virus auch mich erwischt:Mit 3 Jahren bekam ich eine Modellbahn zu Weihnachten und mit 14 Jahren die erste Spiegelreflexkamera zur Konfirmation. Damit ging es auf Fotopirsch, der Eisenbahnvirus war geboren.

Doch wie kam es zu den Schildern? Nun, von klein auf haben mich Schilder fasziniert. Angefangen hat das mit den Blitzpfeilen auf den kleinen Umspannstationen neben der Straße. Damals wusste ich noch nicht, dass Lokomotiven Schilder haben. Erst als ich vom Maßstab 1:1 fasziniert war, und die Eisenbahngeschichte mich fast täglich in Beschlag nahm, sah ich, dass auch Lokomotiven Schilder hatten. Leider hatte ich "nur" Fabrikschilder, Gewichtstafeln, Eigentumsschilder und ab und zu noch Heimatschilder an den Maschinen gesehen. Wo es die zu kaufen gab, wusste ich damals noch nicht. Bestimmt hätte ich schon damals mein letztes Taschengeld dafür hergegeben.

So muss ich heute meine Schilder leider teuer kaufen, wie so vielen meiner Generation nichts anderes mehr übrig bleibt. Nur selten gelingt ein Tausch...

 

Wie sammelt ein Lokschildersammler?

Nun, der eine sammelt Schilder von Maschinen, die er selbst erlebt hat, der andere nach Faszination der Traktionsart (Dampf, Diesel, Elektro) und andere wiederum nach Epochen.

Viele sammeln nach der Region, in der sie aufgewachsen sind bzw. sich niedergelassen haben.

Eine Art des Sammelns ist, so viele Baureihen zusammenzubekommen, wie möglich. Der andere möchte möglichst alle Loks in Schildern dokumentiert haben, die er selbst noch gesehen hat. (Selbst, wenn es sich um 20 Schilder der selben Bauart handelt)

Dann gibt es noch die "reinen" Artgenossen, entweder nur Dampf oder nur DB oder nur EDV.

Schön ist es, in Sätzen zu sammeln. Doch was ist ein Satz?

 

Sätze sammeln

Wir Sammler nennen einen kleinen Satz: Eigentumsschild, Lokschild, Heimatschild und Direktionsschild.

Schön ist es, wenn noch das Gattungsschild dabei ist. Das wäre ein richtiger Satz

Ein passendes Fabrikschild dazu oder noch eine Gewichtstafel wäre ein perfekter Satz.

Doch so etwas ist nur wenigen Sammlern vergönnt.

Manch Sammler hängt sich noch das passende Geschwindigkeitsschild dazu. Ein Bild von genau dieser Maschine rundet die Einheit ab.

Interessant sind Schildersätze, die die Epochen aufzeigen, d.h. Schilder einer Maschine in DRG, DB/DRo und EDV-Zeitalter.

Die Kombination aller Sammelmöglichkeiten ist ultimativ. Es gibt wenige Sammler, die dies so perfekt durchgestalten. Abgesehen, dass man die fehlenden Schilder nicht auftreiben kann, liegt es oft am Preis bzw. am Platz, um sich dies zu ermöglichen.

 

Sammeln als Sucht

Dies führt zur Krankheit, alles und jede Ausführung haben zu müssen. Um jeden Preis. Oft werden Schulden gemacht, Kredite aufgenommen oder unlängst, bei der großen Auflösung zweier Stuttgarter Sammler, sogar eine Hypothek auf das eigene Haus aufgenommen...

Seit dem Schilder auch online zu kaufen sind, hat sich vieles geändert. So sind wir beim nächsten Thema:

 

Schildersammeln "online"

Beim größten Auktionshaus ebay tauchen oft Lokschilder auf. Es sich dort ein "Markt" entwickelt.

Irgendwie fair, manchmal auch getürkt. Wie? Das hat wohl fast jeder schon mal selbst erfahren müssen:

Fair: Es gibt ein Maximalgebot innerhalb der festgelegten Zeit.

Leider war bei manchen Sammlern die Sucht so groß, Preise weit über dem Marktwert zu zahlen. Bei online-Verkaufshäusern gibt es eine Endfrist. Basta-Aus.

Negativ: Doch wie auch bei vielen anderen Auktionen wird durch einen "Freund" nachgeholfen, der sozusagen "passiv" hoch bietet. Wenn man die Auktionen beobachtet, findet man schnell die "Machenschaften" der jeweiligen Verkäufer heraus.

Es werden Online-Verkaufshäuser oft missbraucht, den letzten "Schund" an Schildern, sprich "Fälschungen" und "Nachgüsse", sowie "gealterte Lagerschilder" an den Sammler zu bringen.

Leider wehren sich wenige betrogene Sammler.

Oftmals steht der ersteigerte Wert in keinem Verhältnis zur Arbeit und Mühe, das Geld gerichtlich zurückzuerlangen und ggf. eine Anzeige wegen Betruges zu stellen.

 

Ein schlechtes Gefühl bei einem Schild

Ein Schild, bei dem man nicht sicher ist, sollte man nicht annehmen. Das gilt bei Auktionshäuser wie bei privaten Sammlern. Das Ungewisse haftet ein Leben lang an diesem Schild, bis es "endlich" die Sammlung verlassen hat.

Selbst dann ist man sich nicht sicher, denn dem "Erwerber" wurde das Schild ja "schöngeredet". (Wie auch in vielen anderen Sammlergebieten)...

Wenn dann eine "Krücke" oder "Gurke" nach ein paar Monaten oder gar Jahren zurückgetauscht werden soll, gibts nur noch Chaos und Ärger. Nicht selten ging dann ein "3er"-Tausch vonstatten.

Also: Lieber gleich zur Sache stehen und so eine "Fälschung" oder seine Zweifel kundtun und diesen oftmals finanziellen Verlust unter "Erfahrung" abhaken.

Ich denke, das wird wohl jedem Sammler einmal passiert sein.

 

Was ist ein "Dreiertausch"

Sammler 1 möchte ein Schild von Sammler 2 kaufen. Doch Sammler 2 könnte sich nur vorstellen, zu tauschen. Sammler 3 hätte so ein Schild, doch Sammler 3 hat Interesse an einem Schild von Sammler 1. So kann "rundum" getauscht werden, oftmals mit finanziellem Ausgleich.

Manchmal geht das auch so ab: Sammler 1 bietet Schild X, Sammler 2 hätte gern Schild Y mit Beigabe, Sammler 3 legt zu Schild Z noch bares zu.

 

Der Neider

Nichts ist so schön, um wahr zu sein, oder: Es kann der besten Sammler nicht in Ruhe sammeln, wenn es einem weiteren Sammler nicht gefällt.

Es reicht schon, dass ein Sammler zufällig im Bekanntenkreis oder auf einem Flohmarkt ein Schild für minimale Euros kaufen konnte, oder gar geschenkt bekam.

Da werden dann Intrigen geschmiedet, Schilder in Zweifel gezogen. Manche treiben sogar Spielchen bei Auktionshäuser: Da wird kurz vor Auktionsende noch mit einen Interessenten telefoniert und das Schild in der Auktion "schlechtgeredet", um selbst den letzten Schuss zu machen oder den Interessenten abzulenken...

Manche sind auch neidisch auf das Kapital, das ein anderer Sammler aufbringen kann, oder der Neid auf eine große oder vielfältige Sammlung.

Es gibt sogar den Neid auf eine tolerante Partnerin, die das Sammeln akzeptiert oder sogar unterstützt...

Neid ist Krankheit. Meiner Meinung nach.

 

Schilder schlecht reden

Wenn ein Schild einmal "schlecht" geredet wurde, haftet es diesem an und der Zweifel bleibt. Da müssen schon langjährige, seriöse Sammler kommen, um dies zu widerlegen. Und wehe dem, der das Schild in Umlauf gebracht hat...

Manch ein Sammler hat das Hobby schon hingeschmissen, aus Frust und Ärger gegenüber leidigen Mitsammlern.

So gibt es Sammler, die nur noch für sich sammeln und sich zurückgezogen haben.

Einfach Schade darum.

Wir Sammler brauchen die Kommunikation, das Teilen der Freude, wenn der Mitsammler endlich sein erwünschtes Teil erhalten hat. Diese Freude fehlt den meisten Sammlern, leider!

 

Eins soll bleiben: Die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit anderen Sammlerkollegen gegenüber!

Und nun: Viel Freude beim Sammeln ;-)