„Provisorische“ Loknummernschilder bei der DB


09.10.2009




Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die DR(G)-Lokomotiven die Mehrzahl ihrer Nummernschilder durch Messingsammlung bzw. Kriegseinwirkung verloren. Bevor bei DB und DR dann wieder flächendeckend (Norm-)Schilder eingeführt wurden, stellten eine Anzahl Bw (auch AW?) ab ca. 1949/50 provisorische Dampflok- (sowie einige wenige E-Lok-) Nummernschilder mit unterschiedlichen Ziffernformen her. Für manche dieser Schilder wurden alte DRG-Platten verwendet, und zumindest bei der DB waren die meisten in NAlS-Version. Bei der DR wurde die Herstellung derartiger Schilder bereits im Oktober 1950 durch Verfügungen der GDR für beendet erklärt; ab diesem Zeitpunkt sollten nur noch Normschilder verwendet werden (vgl. Ulrich Walluhn, Lokomotiven und Triebwagen in der SBZ/DDR 1945-1950, Stuttgart 2004, S.124). Bei der DB fertigte man diese Provisorien einige Jahre länger, bis durch Verfügungen der Jahre 1953/54 auch hier der Übergang zu normierten Schildern festgelegt wurde (vgl. Thomas Samek, Lokomotivschilder, Bezeichnungen und Beschilderungen deutscher Lokomotiven, Freiburg 2004, S.176).


Einen Sonderfall stellte das Bw Landau Pf dar, das noch um 1960 NAlS-Schilder fertigte (etwa für 38 1913). Hier handelt es sich dann eigentlich nicht mehr um „provisorische“, sondern schon eher um „reguläre“ Schilder; bezeichnenderweise sind vom Bw Landau auch mit Abstand die meisten NAlS-Schilder erhalten. Es wurden auch „Landau“- Schilder für Loks hergestellt, die zwar bei der ED/BD Mainz beheimatet waren, aber anscheinend nur recht kurz (oder überhaupt nicht?) in Landau selbst; es ist sogar ein NAlS-Ersatzschild der 23 011 in Landauer Machart bekannt.

(Übrigens scheinen auch die genieteten Landauer Direktions- und Heimatschilder von der DB als “gültig“ anerkannt worden zu sein, da ED- zu BD-Schildern umgenietet wurden und es kein „Bw Landau Pf“ in gegossener Version gibt.) -



Von den im Folgenden aufgeführten Betriebswerken der DB sind jeweils so viele Schilder erhalten, dass eine halbwegs systematische Herstellung angenommen werden kann; einige Beispiele seien jeweils genannt. Die Formen der „S“-, „R“- und „G“- Ziffern fallen je nach Herstellungs-Bw - und manchmal innerhalb desselben Bw - unterschiedlich aus; gelegentlich gibt es auch „gemischte“ Ziffern:



Aulendorf NAlS 50 1155, 50 1189, 50 2176, 50 2834, 50 2840, 50 2953

DB, 50 2953 Niet Alu Spitz, ein schöner Satz



Tübingen NAlS 38 2039, 38 3682, 38 3684; 75 040, 75 042, 75 051

DB 38 3682 Niet Alu Spitz, Ausführung Bw Tübingen



Lindau NAlS 50 859; 98 813, 98 886

DB, 98 813 Niet Alu Spitz, ein Megasatz



Rosenheim NAlS 38 1639; 57 2575, 57 3047, 57 3468; 70 012

DB, 57 2575 Niet Alu Spitz

DB, 57 3047 Niet Alu Spitz DB, 57 3459 Niet Alu Spitz, Satz DB, 70 012 Niet Alu Spitz

 


Landau Pf NAlS 23 011(?); 38 1913, 38 1968, 38 2181, 38 2751, 38 3156, 38 3667, 50 272, 50 721, 50 808, 50 2192, 50 2267, 50 2537, 50 2988

DB, 38 3156 Niet Alu Spitz, Satz DB, 50 721 Niet Alu Spitz 50 2192 Niet-Alu-Spitz, Landauer Ziffern. Beachten Sie die exotische "Fünf" ! 50 2267 Niet-Alu-Spitz, Landauer Ziffern. Beachten Sie die exotische "Fünf" ! DB, 50 2988 Niet Alu Spitz

 

Neustadt NAlS 64 040, 64 392; 78 019, 78 085, 78 119

DB, 64 392 Niet Alu Spitz, Satz

DB, 64 392 Niet Alu Spitz, Satz



Trier (oder Friedrichshafen?) NAlR 86 468, 86 577

DB, 86 468 Niet Alu Rund



Simmern NAlG 93 712, 93 931, 93 1164

DB, 93 1164 Niet Alu Groß, Ausführung Bw Simmern



Kirn NAlS 57 1629, 57 1791, 57 2744

-

 

Bremen Vbf NAlS 50 413, 50 538, 50 615

50 615 Niet-Alu-Spitz



Hmb-Eidelstedt NAlB 41 090, 41 173, 41 213, 41 235, 41 270, 41 342, 41 344, 41 358, 50 364, 50 612, 50 952, 50 1023, 50 1033, 50 1643

DB, 41 173 Niet Alu Breit, Hamburg-Eidelstedter Ziffern DB, 41 342 Niet Alu Breit, Hamburg-Eidelstedter Ziffern DB, 50 612 Niet-Alu-Breit, Hamburg-Eidelstedter Ziffern Das ist ein DB Schild und ist nach dem Krieg in Hamburg- Eidelstedt angefertigt wurde. Nur einige 41er und 50er dieses Bws hatten solche den DRG Schildern täuschend ähnliche breite Ziffern.




Überdies hatten eine Anzahl 50er verschiedener Bw der ED/BD Hannover NAlS-Schilder, die vielleicht im AW Bremen hergestellt wurden (z.B. 50 1206 mR, 50 3042)

501206 Niet-Alu-Spitz mit Rand !!! Der Rand ist mit unzähligen Nieten befestigt. DB, 50 3042 Niet Alu Spitz, ein schöner Satz



Es gibt auch Schilder mit Ziffernformen, die ausschließlich von der jeweiligen Lok bekannt sind; entweder weil sie tatsächlich nur an dieser Lok verwendet wurden oder weil andere derartige Schilder nicht mehr vorhanden sind - oder eben unbekannt (einige DB-Beispiele: 18 484 NAlS; 55 5253 NAlS; 64 356 NAlG; 74 1028 NAlS; 86 451 NAlG; 93 658 NAlS). Auch in diesen Fällen dürfte es sich um Provisorien der frühen Bundesbahn handeln

18 484 Niet Alu Spitz, Niet-Ersatzschild DB, 55 5253 Niet Alu Spitz, seltene DB-Ausführung DB, 74 1028 Niet Alu Spitz, Satz DB, 93 658 Niet Alu Spitz



Und zuletzt: Manche Fotos zeigen Ziffernformen, die sich auf keinem existierenden Schild finden (zwei DB-Beispiele: 01 029 NAlS; 94 1731 NAlS).



Vielleicht resultieren all diese Unklarheiten u.a. daraus, dass nach den oben genannten DB-Verfügungen der Jahre 1953/54 manche dieser Schilder bei AW-Aufenthalten durch Normschilder ersetzt wurden - da sie ja eben „provisorisch“ waren?


Obige Ausführungen entsprechen dem momentanen Kenntnisstand des Autors; Ergänzungen und Korrekturen sind willkommen!



 

 

Herzlichen Dank an Lothar Kratz für diese Ausarbeitung!
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